Samstag, 28. März 2020

Pandemie #4

Drei Wochen im Home Office. Zwei Wochen geschlossene Schulen und allem, was nichts mit Grundversorgung zu tun hat.

Auch diese Woche bin ich dreimal ins Büro gefahren. Am Donnerstag traf ich überraschend auf drei weitere Arbeitskollegen*, die wohl auch einen Tapetenwechsel nötig hatten. Es war auf jeden Fall der erfrischendste Arbeitstag seit langem.

Ich am Anfang so:
Vor dem Fenster stehend: OMG die ganze Luft ist verseucht, ich kann nicht mehr raus!
Bevor ich einen Laden betrat: *fffuuuuuuuuh* tief einatmen und Luft anhalten!
Badroutine: Hände waschen. Hände desinfizieren. Zähne putzen. Hände waschen. Gesicht spülen. Maske raufklatschen. Wieder Hände waschen, wegen Maskenschleim. Oh, da steht das Desinfektionsmittel; why not. 20 Minuten später. Maske abwaschen. Hände waschen. Mit Mundspülung gurgeln. Repeat every two hours.

Meine Laune ist seitdem viel besser geworden. Ich gehe raus, mache kleine Radtouren in den Plätnerwald oder um den Oranke- und Obersee. Und das Allerbeste: Ich habe einen Ping-Pong-Buddy gefunden.

Lasst die Spiele beginnnen.



Mittwoch, 25. März 2020

Pandemie #3

Nach drei Zahnputzrunden innerhalb sechs Stunden und mit der zweiten Gesichtsmaske eingereibt liege ich mit dem Arbeitslaptop auf meiner Yogamatte, für die ich so manche Verwendung außer Yoga habe. Und auf der Matte, weil ich noch mitten im Einrichtungsprozess meiner Wohnung stecke und noch keinen ordentlichen Stuhl besitze, auf dem ich es länger als 30 Minuten aushalte.

Heute habe ich es bereits übertrieben mit Hygienemaßnahmen. Und in den verbleibenden Stunden des Tages werden noch zwei weitere Zahnwäschen, vier Gurgelrunden und ein paar weitere Gesichtsmasken dazukommen.

Ich hoffe auf Besserung.

Freitag, 20. März 2020

Pandemie #2

Tag 16 seit meinem Leipzig-Trip; Tag 11 nach der Home-Office-Verordnung; Tag 4 seitdem öffentliche Einrichtungen geschlossen wurden.

Das Konzert in Leipzig scheint Monate zurückzuliegen. Ich habe das Gefühl, eine Ewigkeit keine Menschen mehr gesehen zu haben. Dabei war ich in der vergangenen Woche nur 2 von 5 Tagen im Home Office, trotz Verordnung, und habe zwei bekannte Gesichter getroffen. Und auch diese Woche waren es "bloß" 3 Zuhause-Tage.

Öffis werden jetzt komplett gemieden. Die Inliner, die ich mir neulich besorgt hatte, um ein bisschen spaßige Bewegung und frische Luft zu bekommen, entpuppten sich als eine große Enttäuschung, da ich beinahe knallhart zu Boden geworfen wurde, sobald ich die Dinger angeschnallt hatte. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass die Beschaffenheit der Roller das Problem sind, nicht etwa das von sich selbst überzeugte Motor- und Balanciergetriebe.

Mit einem befreundeten Nachbar traf ich mich distanziert auf dem Hof - wir zogen die Stühle auseinander und mussten dabei unweigerlich lachen. Es war schon nach Mitternacht.
Mein Zeitgefühl hat sich deutlich verzogen. Und mein Schlafrhythmus ist auch aus dem Takt geraten. Zwischen 4 und 6 Uhr in der Früh erwache ich aus dem Schlaf und fühle mich ausgeschlafen. Ich liege ein paar Stunden wach und bin dann zwischen 7 und 8 Uhr morgens so müde, dass ich in einen Tiefschlaf falle. Nicht günstig.

Heute habe ich mich dann doch entschlossen, einen Spaziergang mit einem Freund zu unternehmen. Ich bin dafür ein paar Kieze mit dem Fahrrad nach Mitte gefahren, wo wir mit unseren Getränken vom Späti eine alleinstehende Bank gesucht haben. Kurz nach 21:00 Uhr mussten wir uns zwangsläufig verabschieden, weil mich eine der wenigen Take-Away´s, die noch offen haben dürfen, nicht auf Klo lassen wollten (durften). Als ich zu Hause angekommen bin, war ich nass.
Vom Schwitzen, selbstverständlich. Trotz hart-an-der-Grenze-aushaltbarem Harndrang habe ich´s noch beim Supermarkt an der Ecke vorbeigeschafft. Dort wurden jetzt grosse Plastikscheiben vor die Kassen gebaut.

Dienstag, 17. März 2020

Pandemie #1

"Verrückte Zeit", schlussfolgern ich und meine Gegenüber mehrmals täglich im Gespräch.

Ich mit meinen Kolleginnen und Kollegen befinden uns in der zweiten Woche Home Office. Am vergangenen Montag, dem 09. März, flog erst ein Gerücht durch die Büroräume, bis dann die offizielle Mail kam und uns für die laufende Woche vorerst in die eigenen Wände verwies.

Ich noch so: Haha.
Chef: Was "Haha"?
Ich: Nice Joke.
Chef: Was? Nee, das meinen wir ernst. Empfehlung der Behörden.
Ich zuhause: *tippt "Corona" bei Ecosia ein*

Das ist nur 8 Tage her. Mittlerweile sind Schulen und Kitas geschlossen, die Ringbahntüren öffnen sich automatisch, damit man nicht auf den Knopf drücken muss; Clubs und Bars sind schlummernde Nichtbetriebsstätten, Cafés müssen nach 18 Uhr zugesperrt werden und die Supermarkt-Regale sehen so aus, wie ich es nur zweimal in meinem Leben gesehen habe: bei meinem Besuch in dem damals noch mehr oder minder kommunistischen Kuba vor 10 Jahren, und in unserer eigenen Filiale, weil wir unsere internen Lieferfrequenzen noch nicht so im Griff hatten.
Klopapier ist verschwunden. Auch bei den Konserven sind riesige Lücken. Beim Obst und Gemüse ist die Farbenvielfalt geschrumpft. Seife habe ich auch länger nicht mehr gesehen.
In der Bahn sitzt pro Vierersitz eine Person. Wenn bereits zu viele drin sind, wird auf die nächste Bahn gewartet.
Im Kino musste ich Name und Mailadresse hinterlassen, für den Fall der Fälle. Jetzt ist es auch (mindestens) die kommenden fünf Wochen zu. Im Supermarkt vorhin habe ich zum ersten Mal Menschen mit Mundschutz gesehen, die keine Asiaten waren.

Mein Kaffeedate für morgen werde ich sausen lassen. Diese Simulation hat mir den Rest gegeben. Und weil ich jetzt schon weiss, dass ich es keine 24 Stunden in geschlossenen Räumen durchhalte - was auch alles andere als gesund ist - wird es kleinere Fahrradtouren geben. Oder eine Runde im Park. Ich mit mir und selbst.