Freitag, 17. Januar 2020

Gedanken zerdenken

Oft habe ich gesagt bekommen, dass ich eine sogenannte analytische Denkerin bin. Das waren Momente, wo Selbst- und Fremdwahrnehmung den Spagat machten, weil "analytisch" assoziativ mit der mathematischen Analysis verbunden ist. Und als matheaffin hätte ich mich nun wirklich nicht bezeichnet.

Aber item: analytisch Denken definiere ich für mich so, dass Sachverhalte auseinandergenommen werden, Einheiten in Mehrheiten gespalten werden - Vermehrung von Dingen, so gesehen. Normalerweise gehört zu analytischen Denkskills auch, dass man diese Details dann sinnvoll verknüpfen und problemlösungsorientiert verarbeiten kann.

Bei mir passiert eher sowas: Einheit zerteilen, Mehrheiten auf die Goldwage legen, diese Mehrheiten dann beliebigfach zu neuen Einheiten zusammenbauen, die allesamt eine komplett andere Deutung haben und eventuell sehr fern der ursprünglichen und gemeinten Aussage liegen.
Einfach ausgedrückt: Gedanken zerdenken. Hyperinterpretieren. Simples verkomplexieren.

Da standen einmal drei Punkte am Satzende einer WhatsApp-Nachricht, die mich vom Realitätsboden weggehauen haben. Was will er mir damit sagen? WARUM DIESE DREI PUNKTE?!!?! Da muss was Schlimmes hinterstecken. Darauf antworte ich nicht. Ich melde mich nicht mehr. Ciao.
Na, vielleicht nicht so dramatisch. Wobei. Doch. Passt.

Die Pointe soll sein: wer gut zerhacken kann, aber eine Banause im Zusammenbauen und Sinn bilden ist, sollte manchmal lieber die Finger vom Analysieren lassen. Darin übe ich mich derzeit.

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