Freitag, 6. Dezember 2019

E - Vermissen.

Dieser Sommer. Alles, was war. So schnell, so überraschend, so intensiv. War das alles nichts für dich? War ich dein Trostbier, womit du dir deine Einsamkeit weggesoffen hast?
Wenn du wüsstest, wie oft ich mich "warum" gefragt habe - warum du aufgetaucht bist, sobald ich da war. Warum du mir schriebst. Warum wir uns so oft sahen. Jeden zweiten, dritten Tag bei dir in diesen Sommernächten. Warum?

Ich, die sowas von dicke auf ihr Mundwerk gefallen ist. Der es in deiner Nähe den  Atem und die Sprache verschlagen hat. Krampfhaft versucht hat, sich zu beruhigen und zu ihrem natürlichen Humor und gewohnter kommunikativer Sicherheit zurückzufinden. Die in  deiner Gegenwart zu ihrem vierzehnjähriges Selbst geworden ist. Und ich mich jedesmal Ohrfeigen wollte. Wo war meine große Klappe geblieben? Mein ausserordentliches Faible, selbst aus oberflächlich Unlustigem die Spaßigkeit hervorzukitzeln?
Ja, ich verstehe. Dass das nicht genügt hat. Und ich dich sehe, jetzt, mit einer Person, die dir gut tun wird. Witzig, klug, bodenständig, direkt und absolut nicht auf die Schnauze gefallen. Absolut authentisch, selbstsicher
.
Und. das. tut. weh. So weh. Denn innerlich weiss ich: ich bin so viel mehr. Ich bin nicht gedankenlos, stumpf, bider, geistlos. Oh. Ich fühle mich innerlich gefangen. In mir selbst.
Und dann. Dann kommt die Wut. Verdammter Kackspasst! Warum behandelst du mich wie ein zimperlich, feinhäutiges und reissbares Tachentuch, das du nach dem Schnoddern rücklings in deinen Papierkorb rechts neben deiner Zimmertür schleuderst (By the way: du triffst sowieso nicht!!!)? Dass du es wagst, mich als das Opfer darzustellen - "Oh, vielleicht sollte ich es dir mal mitteilen, dass du leider nicht mehr bist für mich". Auf was für einem langbeinigen Muskelhengst sitzt du bitte, dass du es wagst, auch nur anzunehmen, dass ich mehr für dich empfinde? Und mich als den armen dritten Schuh hinstellst, den du jetzt schnell wegschmeissen musst? Bist du komplett bescheuert?
Du findest dich ziemlich gut, gell? Aber so richtig? So richtig, richtig? Darf ich Sie daran erinnern, dass SIE sich immer gemeldet haben? SIE, verdammt nochmal, SIE, Herr Marlowsky?!

Da kommt keine Flüssigkeit mehr aus meinen Augen. Ich glaube, es ist leer. Ich fühl mich taub. Ein pulsierendes, dumpfes Schmerzgefühl, wie nach einem schweren Aufprall. Ich will nur schlafen. Abschalten. Meine Augen brennen. Mein Herz pocht viel zu schnell, als dass ich in den Schlaf hinweg driften könnte. So viele Bilder schweben durch mein Bewusstseinsstübchen. All die Worte. Die Worte... und jagen mir bei jedem Erinnern einen Stromschlag durch meine Körpermitte. Stunden liege ich so da. Wie ein Albtraum, aus dem ich nicht aufwachen kann. Ich versuche, mir süße Lügengeschichten in den Kopf zu prägen. Vielleicht hilft es.

Dieser Sommer.
Dieses Mal halt ich die Welt an und dreh die Zeit zurück.
Dieses Mal küsst du mich.
Ich drehe die Zeit zurück. Und dann küsst du mich.

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