Mittwoch, 8. April 2020

Pandemie #5

Fünfte Woche Home Office (bzw. auch heute wieder mal alleine im Lab). Wenige Tage vor Ostern. Schönstes Frühlingswetter bei über 20 Grad Celsius.

Heutige Alltagsstrapazen:
  1. Die gestrig eingespielten Dateien enthalten einen Fehler. Die Software behandelt zwei wesentliche Spalten gerade invers. 
  2. Fehler gefunden, Dateien (12 Stück) einzeln gelöscht. 
  3. In Software die Importvorlage geändert. 
  4. Gemerkt, dass in einer Datengruppe manuell gepfuscht wurde und ich die richtige Version soeben gelöscht habe.
  5. Beginne, nochmal manuell zu berichtigen.
  6. Merke, dass das zu lange dauert.
  7. Gehe in den Quelldatenserver. Dafür muss ich erst in die Passwortliste und das Passwort kopieren und anschließend in dem zugehörigen Slack-Channel Bescheid geben, dass ich den Server nutze. 
  8. Exportiere die betroffene Datengruppe komplett neu.
  9. Zurück auf Slack um mich "abzumelden".
  10. Gehe in den Zielserver.
  11. Beim Import ebendieser Datengruppe bemerke ich, dass ich das falsche Format exportiert hatte.
  12. Beginne mit manueller Anpassung. 
  13. Realisiere erneut, dass dies vergeudete Zeit ist.
  14. Zurück in den Quelldatenserver. Erneute Anmeldung. Das Passwort ist noch in der Zwischenablage gesichert. Yay.
  15. Nochmaliger Export; diesmal in Slow Motion, damit ja alles stimmt.
  16. Kopiere die Daten in den dafür angelegten Ordner.
  17. Räume bei dieser Gelegenheit gleich den Dateiordner etwas auf.
  18. Rechtsklick "kopieren", zurück auf Desktop, Rechtsklick "einfügen".
  19. " ", in Zielserver, " ".
  20. Sehe, dass meine Aufräumarbeiten im Ordner nicht übernommen wurden.
  21. Wiederhole Schritt 18. & 19.
  22. " "
  23. Merke, dass ich die Dateinamen ändern muss, damit es mir den Ordner nicht unschön überschreibt.
  24. Ändere den Ordnername.
  25. Merke, dass ich direkt vom Quell- in den Zielserver kopieren und den Desktop auslassen kann.
  26. Kopiere Ordner.
  27. Lösche den alten.
  28. Sauber.
  29. Beginne mit Import der korrigierten Dateien.
  30. Nach 6 Importen endlich fertig.
  31. Nerven: kurz vorm Reissen.


Samstag, 28. März 2020

Pandemie #4

Drei Wochen im Home Office. Zwei Wochen geschlossene Schulen und allem, was nichts mit Grundversorgung zu tun hat.

Auch diese Woche bin ich dreimal ins Büro gefahren. Am Donnerstag traf ich überraschend auf drei weitere Arbeitskollegen*, die wohl auch einen Tapetenwechsel nötig hatten. Es war auf jeden Fall der erfrischendste Arbeitstag seit langem.

Ich am Anfang so:
Vor dem Fenster stehend: OMG die ganze Luft ist verseucht, ich kann nicht mehr raus!
Bevor ich einen Laden betrat: *fffuuuuuuuuh* tief einatmen und Luft anhalten!
Badroutine: Hände waschen. Hände desinfizieren. Zähne putzen. Hände waschen. Gesicht spülen. Maske raufklatschen. Wieder Hände waschen, wegen Maskenschleim. Oh, da steht das Desinfektionsmittel; why not. 20 Minuten später. Maske abwaschen. Hände waschen. Mit Mundspülung gurgeln. Repeat every two hours.

Meine Laune ist seitdem viel besser geworden. Ich gehe raus, mache kleine Radtouren in den Plätnerwald oder um den Oranke- und Obersee. Und das Allerbeste: Ich habe einen Ping-Pong-Buddy gefunden.

Lasst die Spiele beginnnen.



Mittwoch, 25. März 2020

Pandemie #3

Nach drei Zahnputzrunden innerhalb sechs Stunden und mit der zweiten Gesichtsmaske eingereibt liege ich mit dem Arbeitslaptop auf meiner Yogamatte, für die ich so manche Verwendung außer Yoga habe. Und auf der Matte, weil ich noch mitten im Einrichtungsprozess meiner Wohnung stecke und noch keinen ordentlichen Stuhl besitze, auf dem ich es länger als 30 Minuten aushalte.

Heute habe ich es bereits übertrieben mit Hygienemaßnahmen. Und in den verbleibenden Stunden des Tages werden noch zwei weitere Zahnwäschen, vier Gurgelrunden und ein paar weitere Gesichtsmasken dazukommen.

Ich hoffe auf Besserung.

Freitag, 20. März 2020

Pandemie #2

Tag 16 seit meinem Leipzig-Trip; Tag 11 nach der Home-Office-Verordnung; Tag 4 seitdem öffentliche Einrichtungen geschlossen wurden.

Das Konzert in Leipzig scheint Monate zurückzuliegen. Ich habe das Gefühl, eine Ewigkeit keine Menschen mehr gesehen zu haben. Dabei war ich in der vergangenen Woche nur 2 von 5 Tagen im Home Office, trotz Verordnung, und habe zwei bekannte Gesichter getroffen. Und auch diese Woche waren es "bloß" 3 Zuhause-Tage.

Öffis werden jetzt komplett gemieden. Die Inliner, die ich mir neulich besorgt hatte, um ein bisschen spaßige Bewegung und frische Luft zu bekommen, entpuppten sich als eine große Enttäuschung, da ich beinahe knallhart zu Boden geworfen wurde, sobald ich die Dinger angeschnallt hatte. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass die Beschaffenheit der Roller das Problem sind, nicht etwa das von sich selbst überzeugte Motor- und Balanciergetriebe.

Mit einem befreundeten Nachbar traf ich mich distanziert auf dem Hof - wir zogen die Stühle auseinander und mussten dabei unweigerlich lachen. Es war schon nach Mitternacht.
Mein Zeitgefühl hat sich deutlich verzogen. Und mein Schlafrhythmus ist auch aus dem Takt geraten. Zwischen 4 und 6 Uhr in der Früh erwache ich aus dem Schlaf und fühle mich ausgeschlafen. Ich liege ein paar Stunden wach und bin dann zwischen 7 und 8 Uhr morgens so müde, dass ich in einen Tiefschlaf falle. Nicht günstig.

Heute habe ich mich dann doch entschlossen, einen Spaziergang mit einem Freund zu unternehmen. Ich bin dafür ein paar Kieze mit dem Fahrrad nach Mitte gefahren, wo wir mit unseren Getränken vom Späti eine alleinstehende Bank gesucht haben. Kurz nach 21:00 Uhr mussten wir uns zwangsläufig verabschieden, weil mich eine der wenigen Take-Away´s, die noch offen haben dürfen, nicht auf Klo lassen wollten (durften). Als ich zu Hause angekommen bin, war ich nass.
Vom Schwitzen, selbstverständlich. Trotz hart-an-der-Grenze-aushaltbarem Harndrang habe ich´s noch beim Supermarkt an der Ecke vorbeigeschafft. Dort wurden jetzt grosse Plastikscheiben vor die Kassen gebaut.

Dienstag, 17. März 2020

Pandemie #1

"Verrückte Zeit", schlussfolgern ich und meine Gegenüber mehrmals täglich im Gespräch.

Ich mit meinen Kolleginnen und Kollegen befinden uns in der zweiten Woche Home Office. Am vergangenen Montag, dem 09. März, flog erst ein Gerücht durch die Büroräume, bis dann die offizielle Mail kam und uns für die laufende Woche vorerst in die eigenen Wände verwies.

Ich noch so: Haha.
Chef: Was "Haha"?
Ich: Nice Joke.
Chef: Was? Nee, das meinen wir ernst. Empfehlung der Behörden.
Ich zuhause: *tippt "Corona" bei Ecosia ein*

Das ist nur 8 Tage her. Mittlerweile sind Schulen und Kitas geschlossen, die Ringbahntüren öffnen sich automatisch, damit man nicht auf den Knopf drücken muss; Clubs und Bars sind schlummernde Nichtbetriebsstätten, Cafés müssen nach 18 Uhr zugesperrt werden und die Supermarkt-Regale sehen so aus, wie ich es nur zweimal in meinem Leben gesehen habe: bei meinem Besuch in dem damals noch mehr oder minder kommunistischen Kuba vor 10 Jahren, und in unserer eigenen Filiale, weil wir unsere internen Lieferfrequenzen noch nicht so im Griff hatten.
Klopapier ist verschwunden. Auch bei den Konserven sind riesige Lücken. Beim Obst und Gemüse ist die Farbenvielfalt geschrumpft. Seife habe ich auch länger nicht mehr gesehen.
In der Bahn sitzt pro Vierersitz eine Person. Wenn bereits zu viele drin sind, wird auf die nächste Bahn gewartet.
Im Kino musste ich Name und Mailadresse hinterlassen, für den Fall der Fälle. Jetzt ist es auch (mindestens) die kommenden fünf Wochen zu. Im Supermarkt vorhin habe ich zum ersten Mal Menschen mit Mundschutz gesehen, die keine Asiaten waren.

Mein Kaffeedate für morgen werde ich sausen lassen. Diese Simulation hat mir den Rest gegeben. Und weil ich jetzt schon weiss, dass ich es keine 24 Stunden in geschlossenen Räumen durchhalte - was auch alles andere als gesund ist - wird es kleinere Fahrradtouren geben. Oder eine Runde im Park. Ich mit mir und selbst.


Freitag, 14. Februar 2020

Grüntee.

Im indischen Restaurant.

« Was möchten trinken? »
« Ein Glas Rotwein, gerne. »
« Sie? »
« Eeehhh. Hmm. Ehh. Ich bin oké. »
« Grüntee? »
« Ja, genau das. »

Freitag, 17. Januar 2020

Gedanken zerdenken

Oft habe ich gesagt bekommen, dass ich eine sogenannte analytische Denkerin bin. Das waren Momente, wo Selbst- und Fremdwahrnehmung den Spagat machten, weil "analytisch" assoziativ mit der mathematischen Analysis verbunden ist. Und als matheaffin hätte ich mich nun wirklich nicht bezeichnet.

Aber item: analytisch Denken definiere ich für mich so, dass Sachverhalte auseinandergenommen werden, Einheiten in Mehrheiten gespalten werden - Vermehrung von Dingen, so gesehen. Normalerweise gehört zu analytischen Denkskills auch, dass man diese Details dann sinnvoll verknüpfen und problemlösungsorientiert verarbeiten kann.

Bei mir passiert eher sowas: Einheit zerteilen, Mehrheiten auf die Goldwage legen, diese Mehrheiten dann beliebigfach zu neuen Einheiten zusammenbauen, die allesamt eine komplett andere Deutung haben und eventuell sehr fern der ursprünglichen und gemeinten Aussage liegen.
Einfach ausgedrückt: Gedanken zerdenken. Hyperinterpretieren. Simples verkomplexieren.

Da standen einmal drei Punkte am Satzende einer WhatsApp-Nachricht, die mich vom Realitätsboden weggehauen haben. Was will er mir damit sagen? WARUM DIESE DREI PUNKTE?!!?! Da muss was Schlimmes hinterstecken. Darauf antworte ich nicht. Ich melde mich nicht mehr. Ciao.
Na, vielleicht nicht so dramatisch. Wobei. Doch. Passt.

Die Pointe soll sein: wer gut zerhacken kann, aber eine Banause im Zusammenbauen und Sinn bilden ist, sollte manchmal lieber die Finger vom Analysieren lassen. Darin übe ich mich derzeit.

Donnerstag, 9. Januar 2020

Die Flamme.

Vor ein paar Wochen habe ich, aus einem puren nächtlichen, vielleicht etwas alkoholisierten und emotionalen Rausch heraus, Tinder auf meinem Smartphone installiert.
Damit wir - meine Freundin und ich - effizienter die Biographien der Tindermenschen nach Floskeln durchforsten können, die einen Lachkrampf zur Folge haben.

Irgendwie ist es passiert, dass ich auf einen Typen, der mich anschrieb, reagiert habe. Weil er irgendwie gute Worte verwendet hat. Und ich es - vielleicht schon aus Höflichkeit - für angemessen fand, darauf mindestens zu antworten. 
Wie es dann dazu gekommen ist, dass ich nach fünf Tagen dieses Tinderding wieder löschte, ihm jedoch meine Nummer hinterließ, verstehe ich selber nicht so ganz. Was hatte ich mir dabei gedacht? Naiv geglaubt, dass sich dieser Kontakt nach ein paar Nachrichten sowieso in den Sand verebbt.
Ein Treffen war für mich von vornherein ausgeschlossen: weil beim Anblick von Fotos die Fantasie der Menschen aufblüht, man sich ein imaginär reales Bild dieser Person macht - ob man will oder nicht - und am Ende enttäuscht wird. Bei meiner eingeknickten Selbstachtung meines Äußeren ist nur verständlich, dass ich mich nicht freiwillig in eine Situation begebe, meinen Körper beurteilen zu lassen und dann in den Wind geschossen zu werden. Weil: Das. Geht. Direkt. Ins. Herz.
"Come on, sei nicht so ne Dramaqueen", sagen mir Freunde. Aber ach. Ich weiss, dass mich das nicht kalt lassen wird, wenn ich Erwartungen nicht entsprechen kann. Und da in solchen Situationen wie Tinder ohnehin auf der Hand liegt, dass man höchstwahrscheinlich nicht dem entspricht, was der andere erhofft - Ciao ciao, Baby. 

Und trotzdem hielt sich der Kontakt auf einem ein- bis zweitägigen Rhythmus. Und ich anfing, den Fremden am anderen Ende des Netzes zu mögen. Weil er über persönliche Dinge berichtete, die nicht einfach durch mich durchzogen wie ein Windstoß. Und ich mir Gedanken machte. Und die Person auf irgendeine absurde Weise auch kennenlernte.

Meine Zweifel und Ängste begannen an die Oberfläche zu dringen. Dass ich die Person eigentlich sehen will, es aber nicht kann, weil ich weiss, nicht dem zu entsprechen, was er sich wahrscheinlich ausmalt. Weil ich weiss, dass unter Nervosität nur Blech oder Nichts aus meinem Mund kommt. Ich weiss, dass ich die Person bereits einen Ticken zu sehr mag und mich bereits zu sehr entblößt und verwundbar gemacht habe. 

Als ich ihn dann das erste Mal - super spontan - traf, wusste ich nicht, wie es mir geht. Er war anders. Anders. Natürlich. Ob er mir gefällt? Unsicher. Wahrscheinlich hätte ich ihn unter anderen Umständen nicht wahrgenommen. Nur hatte ich zu dem Innenleben dieser Person bereits zu viele Informationen, als dass sein Äußeres diese Position noch ändern würde. Welche Art der Gefühle das sind, war bis dahin eigentlich völlig offen. Mal jede Romantik und sexuelle Anziehung weggelassen: mit seinem Inneren habe ich mich bereits auseinandergesetzt und auf einer puren allumfänglichen Ebene schätzen gelernt.
Nach dem Treffen bereitete sich ein großes Unbehagen in meiner Magengrube aus: wir sind doch an komplett anderen Standpunkten. Er, der solche Dates schon in rauer Menge erlebt hat und höchstwahrscheinlich zu einem Grade abgestumpft ist, als dass ihn das gefühlsmäßig irgendwie tangieren würde. Er, der sich problemlos mit Fremden treffen kann, ohne dass ihn das auf irgendeine Art trifft. Und zum nächsten Date übergeht. Wahrscheinlich ist seine Erwartungsgrenze bereits relativ hoch gesetzt, da er sich bei jedem Mal sagen kann: ach, es gibt noch 1000 andere, die besser sind. 

Als er mir vier Tage danach eine Sprachnachricht schickte, war ich zu 200% überzeugt, dass er mir gerade sagen wird, was ich bereits fühle: Erwartungen nicht erfüllt. Passt nicht. Sorry. Ciao. 
Ich konnte und wollte mir das nicht anhören, weil ich es auf menschlicher Ebene irgendwie scheisse fand, sich das per derartigen Medien zu kommunizieren. Ob er kurz reden kann, schrieb ich.
Seine Antwort war verwirrend. Einerseits stand da "Kinoeinladung". Andererseits stand da "Dringend? Lange?", was diese gefühlte Kühle und Genugtuung, die ich an ihm wahrgenommen habe, bestätigte. Mir war´s nicht mehr nach reden und schrieb, dass wir das lieber vertagen. 
Und dann rief er an. Ich stammelte. Und fühlte mich in eine Position geworfen, in der ich nie sein wollte. Meine Anspannung, Verwirrtheit und wahrscheinlich auch Angst waren unüberhörbar. Ich hätte ihm eigentlich sagen wollen, dass ich das einfach noch sauber und korrekt abschließen will. So für die Psyche. Wegen emotionaler Nähe und so. 
Stattdessen schnitt er kurz an, dass er mich mit ins Kino einladen wollte. Und ich - ohne nachzudenken - gestand, dass ich dachte, er wolle mir da sagen, dass er mich nicht mehr sehen will. 
Trotz des Inhaltes des Gespräches und der Sprachnachricht, die ich mir danach anhörte, klang er gereizt, genervt, distanziert. Das passte einfach alles nicht zusammen. 

Paradebeispiel einer Situation, wo das Schwarz-auf-Weiss-Geschriebene nicht dem Unausgesprochenen, aber deutlich wahrnehmbaren entspricht. Ein Tag später dann eine sehr lange Nachricht seinerseits: 
Dass ihm nicht gefallen hat, wie angespannt ich am Telefon war.
Dass er daraus schließt, dass ich emotional mehr involviert bin als er. 
Dass es bei ihm nicht so gefunkt hat, aber nichts gegen ein zweites Treffen gesprochen hätte.
Dass es aus obigem Grund aber so keine Grundlage mehr gibt. 
Dass wir dennoch reden können. Oder auch nicht.
(Ist ihm wohl egal.)

Ich las die Zeilen auf dem Weg zur Arbeit. Und - typisch ich - ärgerte mich, dass der Mensch es zu wagen glaubt, dass ich ihn mehr mag, als er mich. Beziehungsweise, dass er mir gefallen hat, aber nicht umgekehrt. Hat er mir gefallen? Ehrlich? Nein. Ja. Und nein. Vielleicht. Ich weiss es nicht. Aber das Innere macht manchmal auch das Äußere.
Oh. Große Worte. 
Der Ärger machte dann dem Versöhnlichen platzt, da seine Worte und sein Handeln eigentlich mehr als korrekt waren.

Ja, lass mal reden.
Keine Ahnung, was ich eigentlich zu sagen habe. Ist eigentlich ohnehin erledigt. Whatever.
Ich wünschte, niemals auf die ersten Nachrichten geantwortet zu haben. Hätte ich das nur geahnt. Denn weh tut´s trotzdem. 

Mittwoch, 8. Januar 2020

Alltagsstrapazen.

Thematisieren wir bitte mal den äußerst unangenehmen Umstand, wenn der Tampon unzureichend tief oder schief eingeführt wurde und jeder Schritt sich anfühlt, als hänge da ein zweifelsfrei falsch platzierter Mikropenis, dessen gefühlte Präsenz nicht nur ein peinliches Unwohlsein hervorruft, sondern im schlimmsten Fall juckt, brennt oder hinauszufallen droht.

Alltagsfreuden.


Sonntag, 5. Januar 2020

Heimat - Teil 2

Wie ich meine beiden Taschen auf den Parkettboden des zum Gästezimmer umfunktionierten Arbeitszimmer fallen lasse, erfahre ich einen Moment des Bewusstwerdens: Ich bin ein Gast. Zum ersten Mal werde ich hier in dieser Stadt, in der ich über 22 Jahre gelebt habe, in der Wohnung meines besten Freundes nicht aufstehen und sagen: "So, ich bin müde. Ich schwing mich aufs Velo. Bis morgen." Da steht kein Fahrrad, dessen Schloss ich (auf rechtem Wege) öffnen könnte;
kein Bus und kein Tram, die mich in ein Eigenheim fahren würden.

Ich fühle mich wie... wie die Tante aus Marokko. Und sie kommt auf zwei Kamelen wenn sie kommt, hopp hopp; und wir trinken eine Cola wenn sie kommt, gluck gluck; und wir rauchen eine Kippe wenn sie kommt, paff paff...
Die Eine, die in der Fremde wohnt und richtig gefeiert wird, wenn sie zu Besuch kommt.
Es fühlt sich alles andere als schlecht an, dass es hier keinen Ort mehr gibt, an dem mein Name an der Klingel steht. Aber das Bewusstwerden dessen ist dennoch ein sonderbares Gefühl.

In der Dunkelheit der Novembernacht machen wir einen Spaziergang am Rheinufer. Und können in Zweisamkeit endlich über all die Dinge sprechen, die am Telefon oder in Anwesenheit Dritter einfach nicht beredbar sind. Und wie es auch bei manchen Ferngesprächen war, so ummantelt mich eine unbehagliche, dumpfe innere Stimme: Es gibt Menschen, die dich in ihrer Nähe haben wollen... Du hast ihn zurückgelassen.
Auf einmal sitzen wir da, Schulter an Schulter, und lassen wortlos Tränen auf den kalten Steinboden des Rheinufers tropfen.